Pressespiegel

24.04.2015

Thüringische Landeszeitung: Dem Lachs im Wege?


Jena/Burgau. Karl Schmidt will es gar nicht verhehlen, dass ihn neulich der Beitrag im Thüringer Heimat-TV-Sender in Wallung gebracht hat: Thüringen verstoße gegen die EU-Rahmenrichtlinie zum sogenannten "ökologischen Durchgängigkeitskonzept", so kritisierte da der Deutsche Angelfischverband. Anders gesagt: In den hiesigen Wasserkraftwerken werde den Fischen nur unzureichend die Passage ermöglicht, was die Fachverwaltungen ungeahndet lassen würden. Als Vereins-Chef der AG Thüringer Wasserkraftwerke ATW und Betreiber der Saale-Wasserkraftwerke in Burgau und Rudolstadt-Unterpreilipp sieht Schmidt sich nun ebenso dem Vorwurf ausgesetzt, dass der Grund für die geringe Fischpopulation in den Wasserkraftwerken zu suchen sei. Und all dies vor allem, weil die EU-Richtlinie insbesondere zum Ausbau von Fisch-Auf- und -Abstiegen bis 2015 hätte umgesetzt sein soll - aber weithin noch nicht umgesetzt ist, so der Vorwurf. Schmidt nahm obendrein den Grundsatz-Vorschlag der Fischer zur Kenntnis, dass man doch die Wasserkraft am besten gleich durch Ausbau der Windkraftanlagen ersetzen möge. Dem hält Karl Schmidt entgegen: Die EU-Richtlinie möge vor 14 Jahren in Brüssel verabschiedet worden sein. Doch hätten nach seiner Kenntnis in vielen Ländern und so auch in Thüringen erst die Fachverwaltungen entsprechend ausgebaut werden müssen. Karl Schmidt hat Informationen, dass es zwar noch nicht amtlich, aber ausgemacht sei, die Frist für die Fertigstellung größerer Fisch-Passagen an Wasserkraftwerken bis 2027 auszudehnen. Denn klar: 191 Betreiber kleinerer und mittlerer Wassermühlen - die fünf Kraftwerke an den beiden großen Saale-Talsperren einmal ausgeklammert - gebe es in Thüringen. Nach den Buchstaben der EU-Rahmenrichtlinie müssten allein in den kleinen Kraftwerken an der Ilm in summa 11 Millionen Euro investiert werden. "Die kleineren Betreiber können das aber nicht schultern", sagte Karl Schmidt. Diesen Unternehmern bleibe dann tendenziell nur, ihre Kraftwerke aufzugeben. Für ihn selbst als etwas "Größeren" ergäben sich gemäß EU-Richtlinie weitere Investitionen von je 1,2 Millionen Euro in Jena-Burgau und in Rudolstadt. Dabei habe er zum Beispiel in den Fisch-Aufstieg am Burgauer Wasserkraftwerk bereits 400000 Euro investiert (Fertigstellung 2009). Nicht alle Fische nähmen den Aufstieg an, so laute eine Kritik des Angelfischverbandes. Andererseits liege vorm Burgauer Gebäude die Technik für einen Fisch-Abstieg einbaubereit. "Mit dem Abstieg gibt es aber noch keine Erfahrung; da braucht man erst mal noch ein Monitoring, wie das funktioniert", erläuterte Karl Schmidt. Letzthin folge die EU-Richtlinie dem Ziel, den Lachs als Leitfischart wieder in die hiesigen Flüsse zu bekommen. Grundlegend gab Karl Schmidt gestern zu bedenken, dass heute gegenüber der Zeit um 1900 rein numerisch die Thüringer Fließgewässer mit viel weniger Wassermühlen bestückt seien: Gegenüber den derzeit 191 Betrieben habe es damals um die 3000 Wassermühlen in Thüringen gegeben - zum Teil bereits als kleines E-Werk ausgestattet. Die Durchgängigkeit für Fische am Burgauer Saalekraftwerk sei im Übrigen seit 1912 gewährleistet. Was das Heute angeht, dürfe man aber auch nicht vergessen, dass die Wasserkraftwerke der Netzstabilität dienen und Schwankungen ausgleichen, sagte Karl Schmidt. Und: "Wir betreiben aktiven Umweltschutz." 10 bis 20 Tonnen Unrat würden pro Jahr in Burgau aus dem Fluss geholt und entsorgt. Einen quasi natürlichen Interessenkonflikt zwischen Wasserkraftbetreibern und Anglern wird man aus Schmidts Sicht freilich nie aus der Welt bringen können: Den an die Saale zurückgekehrten Biber "wollen sie auch nicht haben", sagte Karl Schmidt. - "Weil er ohne Genehmigung des Landesverwaltungsamtes Dämme baut."

Quelle:

Thüringische Landeszeitung
Thomas Stridde
23.04.2014
URL: www.tlz.de/startseite/detail/-/specific/Dem-Lachs-im-Wege-1618522719