Pressespiegel

01.07.2014

Volllaststunden der Wasserkraft


Die Rolle der Wasserkraft in einer modernen Stromversorgung ist klar, sie soll einen Beitrag zur Residuallast leisten (vergl. Beitrag zu Strommix der Residuallast). Damit diese Stromerzeugung einspringen kann, wenn gewitterbedingt Kohlekraftwerke ausfallen, und eine Flaute in ganz Deutschland keinen Windstrom liefern, muss die Wasserkraft verlässlich sein, oder anders ausgedrückt hochverfügbar und gleichzeitig steuerbar.

Bei der Auswertung der Volllaststunden im Juni 2014 war ein extrem niedriger Wert entstanden. blog.stromhaltig hatte versprochen der Sache auf den Grund zu gehen.

Die Daten, die bei der Auswertung von zwei Wochen verwendet wurden, stammen vom Bundeswirtschaftsministerium, welches wiederum seine Daten von der AG-Energiebilanz erhält. Mit dem anerkannten Berechnungsverfahren kommt die Wasserkraft gerade einmal auf 908 Volllaststunden in 2012. Zum Vergleich kommt der Sonnenstrom auf 915 Volllaststunden. Rein vom Bauchgefühl schneidet die Wasserkraft zu schlecht ab, was sich auf die Quelldaten zurückführen lässt.

Volllaststunden werden wie folgt berechnet: Bei 8760 Stunden jedes Jahr, wird geschaut, wie viel Stunden eine Anlage unter voller Ausschöpfung der Kapazität laufen muss, um die Jahresleistung zu erreichen.

Wasserkraft muss man zunächst unterscheiden. In den Daten des BMWi wird sämtliche Wasserkraft in einen Topf geworfen. So sind darin auch die Pumpspeicher aufgeführt, die lediglich auf etwa 600 Volllaststunden kommen.

Harald Uphoff, Geschäftsführers des Bundeverbands Deutscher Wasserkraftwerke e.V. (BDW), legt der Redaktion folgende Zahlen vor:

Das BMWi gibt für 2013 eine Wasserkrafterzeugung von 21 220 GWh und eine installierte Wasserkraftleistung von 5,61 GW an. Daraus ergeben sich 3782 Volllaststunden. Da in der installierten Leistung auch der natürliche Zufluss von Pumpspeicherkraftwerken enthalten ist, sind die Volllaststunden der Lauf- und Speicherwasserkraftwerke noch ein wenig höher.

Auf die Rolle der Wasserkraft für die Stromwende meint Uphoff daher richtig:

Vor diesem Hintergrund beantwortet sich Ihre Frage nach der Rolle der Wasserkraft fast von selbst. Wasserkraft ist eine heimische und verlässliche Energiequelle, die insbesondere im süddeutschen Raum eine bedeutenden Anteil an der Stromversorgung hat. Wasserkraft spielt deshalb im zukünftigen erneuerbaren Energiemix eine wichtige Rolle. Sie ist dabei die erneuerbare Energiequelle, die relativ gut prognostizierbar, in Abhängigkeit vom Wasserdargebot, "immer" zur Verfügung steht. Damit produzieren dieWasserkraftwerke dann Strom, wenn Wind- und PV-Anlagen dies wetter- und/oder tageszeitenbedingt nicht tun. Die Pumpspeicherkraftwerke sind die Kraftwerke, die explizit für Zeiten mit wenig Wind- und/oder Sonnenstrom prädestiniert sind. Auch wenn zur Zeit die Rahmenbedingungen diese Fähigkeit wirtschaftlich nicht belohnen. Klar ist, dass mit Wasserkraftstrom nicht die gesamte Residuallast abgedeckt werden kann.

blog.stromhaltig bedankt sich beim BEE für die Beantwortung der Anfrage und übermittelten Hintergrundinformationen.

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Autor: Thorsten Zoerner
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Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.