Wasserkraft und Gewässerschutz

Fließgewässer und die in ihr lebenden Tier- und Pflanzenarten sind einer Vielzahl von Einflüssen ausgesetzt. Diese haben den ökologischen Zustand der Bäche und Flüsse in den letzten Jahrzehnten stark beeinflusst. Dazu gehören ohne den Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Gewichtung: Gewässerbegradigungen, Uferbefestigungen, Querverbauungen zur Wasserhaltung, Gewässerunterhaltung, Schadstoffeinträge durch Industrie, Düngemittel- und Pestizideinträge durch Agrarwirtschaft, invasive Pflanzen und Tiere, Fischerei, Angelsport, Schifffahrt, Wassersport und zum Teil Wasserkraftanlagen.

Diese Aufzählung macht zweierlei deutlich: Wasserkraft hat einen Einfluss auf den ökologischen Zustand der Fließgewässer. Außer bei Hochwasser und dann überströmten Wehren können Wasserorganismen einer Wasserkraftanlage praktisch nicht ausweichen. Dies ist ein banaler aber wesentlicher Unterschied zum Beispiel zu Windkraftanlagen, an denen Vögel ohne weiteres vorbei fliegen können.

Dieser Verantwortung ist sich die weit überwiegende Mehrzahl aller Wasserkraftbetreiber bewusst und sie haben sich ihr gestellt. Sie haben in Fischpässe, Rechen mit kleineren Abständen, Aalrohre, Verbesserungen der Gewässermorphologie und andere Maßnahmen investiert. Das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) 2009 und das aktuelle EEG 2012 haben mit einer erhöhten Vergütung für ökologische Verbesserungsmaßnahmen entsprechende Anreize gesetzt bzw. setzen sie weiterhin.

Um zu praktikablen Lösungen für die Gewässerökologie und die Wasserkraft zu kommen ist der Dialog aller Beteiligten sinnvoll und erforderlich. Ein gutes Beispiel für einen funktionierenden Dialog auf einer höheren Ebene ist das Forum Fischschutz und Fischabstieg (www.forum-fischschutz.de) des Umweltbundesamtes. Hier diskutieren Anlagenbetreiber, Fischereiverbände, Umweltverbände, Wissenschaftler und Planer über den Grundlagen der Populationsbiologie von Fischarten, Anlagenkonzepte, Erfahrungen in anderen Ländern. In einen sehr transparenten Prozess werden Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Wissenslücken offengelegt, diskutiert und nach Lösungsmöglichkeiten gesucht.

Der konfliktbeladene Umgang der letzten Jahre zwischen Anlagenbetreibern, Umwelt- und Naturschützern, Fischern und Anglern hat kaum weiter geholfen, um die wirklichen Probleme der Fließgewässer in Deutschland zu lösen. Eine verbale Abrüstung auf allen Seiten ist hier dringend geboten.

Ökologische Maßnahmen

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  • Welche ökologischen Maßnahmen werden zum Schutz von Gewässer und Fischen durchgeführt?

    Rechen Rechen wirken als mechanische Barriere für Treibgut und Fische. In erster Linie schützen sie das dahinterliegende Kraftwerk vor Treibgut, das die Turbinen beschädigen könnte. Treibgut, das sind zum Beispiel Äste von am Gewässer liegenden Bäumen oder Müll, der ins Wasser geraten ist. Aber auch Fische können in die Turbinen geraten und verenden. Ein Rechen schützt hiervor und hat die maßgebliche Funktion, die Fische von ihrem Wanderweg mit der Hauptströmung abzubringen und einem Fischabstiegssystem zuzuleiten. Dabei ist zu beachten, dass der Rechenabstand so klein wie möglich sein sollte, damit zum einen mehr und auch kleinere Fische umgeleitet werden können und zum anderen keine Fische im Rechen stecken bleiben und bei der Rechenreinigung verletzt oder getötet werden.

    Fischabstieg Wanderungen von Fischen zwischen Laichgebieten, Sommer- und Winterlebensräumen oder auch zwischen Süß- und Salzwasserlebensräumen gehören zum Lebenszyklus vieler Fischarten. Wehre (Staudämme) in Gewässern unterbinden mehr oder weniger diese Wanderungen. Deshalb sind Eigentümer von Wehren gesetzlich verpflichtet, den Auf- und Abstieg von Wasserorganismen an ihrem Wehr zu ermöglichen. Während technische Möglichkeiten für den Fischaufstieg schon seit längerem erforscht und in der Praxis eingesetzt werden, werden technische Lösungen für den Fischabstieg erst seit wenigen Jahren entwickelt. Anders als bei Fischaufstiegsanlagen ist die Gestaltung von Fischabstiegen weitaus schwieriger, da Fische, die flussabwärts wandern, sich anders verhalten als beim Flussaufstieg.

    Das Eindringen in die Turbine lässt sich durch Rechen mit engen Stababständen sehr gut verhindern. Eine Herausforderung stellt es dagegen dar, die Fischabstiegsanlagen so zu gestalten, dass Fische diese auffinden anstelle des Hauptwasserstroms in der Wasserkraftanlage. Hier besteht noch Forschungsbedarf, um optimale Lösungen zu finden. 

    Fischaufstieg Wanderungen von Fischen zwischen Laichgebieten, Sommer- und Winterlebensräumen oder auch zwischen Süß- und Salzwasserlebensräumen gehören zum Lebenszyklus vieler Fischarten. Die bekanntesten Arten sind der Lachs (Laichen im Süßwasser, Aufwachsen in Salzwasser) und der Aal (Laichen im Salzwasser, Aufwachsen in Süßwasser)

    Wehre (Staudämme) in Gewässern unterbinden mehr oder weniger die Wanderungen der Fische. Deshalb sind Eigentümer von Wehren gesetzlich verpflichtet, den Auf- und Abstieg von Wasserorganismen an ihrem Wehr zu ermöglichen.  Dafür gibt es verschiedenste Technologien.

    Fische, die flussaufwärts schwimmen, orientieren sich aktiv an der Strömung und reagieren auf natürliche Weise auf „turbulente Zonen“. Dieses Verhalten kann man dafür nutzen, Fische anzulocken und sie zu einer Fischaufstiegsanlage zu leiten.

    Möglichkeiten des Fischaufstiegs sind Beckenpässe, bei denen die Fische durch miteinander verbundene Becken geleitet werden. Bekannt ist diese Aufstiegshilfe auch als „Fischtreppe“. Eine andere Lösung ist der sogenannte „Fischaufzug“, bei dem Fische in eine Art Käfig gelockt werden und mit dem Käfig flussaufwärts befördert werden.

    Fischfreundliche Turbinen Fische, die in die Turbine eines Wasserkraftwerkes geraten, werden häufig verletzt oder sogar getötet. Dabei werden die Fische nicht von sich drehenden Schaufeln der Turbine zerhackt, sondern vielmehr in dem Spalt zwischen Schaufel und Turbinenwand gequetscht. Eine andere Verletzungsquelle sind sich schnell und stark Druckverhältnisse im Turbinenbereich.

    Eine völlig „fischfreundliche“ Turbine konnte bislang noch nicht entwickelt werden, jedoch gibt es diverse Ansätze das Schädigungsrisiko stark zu minimieren.

    So ist zum Beispiel die Wasserkraftschnecke ist eine Turbine mit verringerter Drehzahl, die häufig zum Fischschutz eingesetzt wird.